Aug 10

Die Gedanken sind frei
Bei der Durchsicht der Dokumente fiel ein kleiner Handzettel auf mit der Überschrift “Lied der Friedensgebete in Neubrandenburg”. Der Liedermacher, Ingo Barz, hatte für das alte Studentenlied: “Die Gedanken sind frei” einen neuen Text geschrieben, der die Lebensgefühle der Menschen in der DDR in der damaligen Zeit ausdrückte.
Es ist bemerkenswert, dass die Themen Umwelt, Globalisierung und persönlicher Egoismus schon damals als so wichtig angesehen wurden, um Eingang in diese Strophen zu finden und emphatisch mitgesungen wurden:

Ich denk´mir ein Haus aus Reimen und Noten,
wo keinem der Aus- und Eintritt verboten.
Die Türen steh´n offen für alle, die hoffen.
Wer will komm´herbei, die Gedanken sind frei.

Ich denk´mir ein Land mit tiefgrünen Wäldern,
mit sauberem Strand und kornschweren Feldern,
wo See, Fluss und Tümpel frei sind von Gerümpel,
von Stickstoff und Blei, wo Gedanken sind frei.

Ein Volk denk´ich mir, das nicht schon erblindet,
beim Geldzählen hier nur Seligkeit findet,
das Mut hat zum streiten, wo auch Minderheiten
sich finden dabei und Gedanken sind frei.

Ich denk´mir die Welt mit Tischen für jeden,
ein freundliches Zelt zum Essen und Reden,
kein Hunger, kein Schweigen, ein fröhlicher Reigen
und Menschlichkeit sei, und Gedanken sind frei.

Ich denk´mir ein Lied aus Güte und Klarheit,
das, wo es geschieht, im Anspruch auf Wahrheit
nicht hart und verbittert die Hirne vergittert,
das ohne Geschrei die Gedanken lässt frei.

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