Sep 30

Heute vor 20 Jahren gab es einen der bewegendsten und zugleich den weiteren Verlauf der Geschichte stark beeinflussenden Tag. Seit Wochen waren tausende DDR-Bürger die Prager Botschaft geflohen. Über die Gründe der Einzelnen werden später viele Geschichten erzählt werden. Kaum jemand erzählt jedoch die Geschichten derjenigen, die diesen Weg nicht gingen und in der DDR blieben. Was machte dieser Tag mit den Menschen in der DDR? Sehr vielen wurde wohl im Moment der Rede von Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft bewusst, dass es so nicht weitergehen konnte. Man konnte nicht mehr darauf vertrauen, dass sich die Dinge in geordnete Bahnen bewegen werden. Es entstand die Überzeugung nur noch die Wahl zu haben, zwischen sich verschärfender Repression oder Wiederstand. Ich glaube, viele Menschen in der DDR haben an diesem Abend ihre Entscheidung getroffen, sich zu wehren. Nur so ist zu erklären, was in den nächsten Tagen passierte. Tausende Menschen gehen auf die Straße um zu protestieren und es werden trotz massiven Einsatzes der Polizei in Dresden, Karl-Marx-Stadt und Berlin täglich mehr. Der Ausblick drauf, der dämliche Rest (DDR) zu bleiben besiegte ihre Angst vor der Staatsmacht.

Sep 26

Unser Augenzeuge Hans-Jürgen Schulz, dem wir viele schöne Fotos zu verdanken haben, fand kürzlich dieses Relikt aus der damaligen Zeit. Welche Geschichte sich damit für ihn verbindet hat er uns nicht erzählt. Aber wir können ihn ja fragen, auf einer der vielen Veranstaltungen in den nächsten Wochen ;-)

Parteiauftrag

Sep 25

Soeben fand ich folgendes Gedicht von Kurt Tucholsky, welches er 1931 in der Zeitschrift ” Die Weltbühne” unter dem Pseudonym “Theobald Tiger” veröffentlichte.

An das Publikum

Oh hochverehrtes Publikum,
sag mal:
bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: »Das Publikum will es so!«
Jeder Filmfritze sagt: »Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!«
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
»Gute Bücher geh’n eben nicht!«

Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?

So dumm, dass in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung droh’n?

Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte …

Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?
Ja, dann …

Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmäßigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Grießbrei-Fresser –?

Ja, dann …
Ja, dann verdienst du’s nicht besser.


Sep 24

marianne-birthler
Mit dem Thema: “Wie hältst du’s mit der DDR? Das Ende der SED-Diktatur, ihr langer Schatten und die Mühen der Aufarbeitung” wird Leiterin der BStU, Marianne Birthler am 15.10.2009 um 19:00 Uhr im Sportgymnasium einen Vortrag halten und im Anschluss zum Gespräch zur Verfügung stehen.

Sep 23

Die Veranstaltung beginnt um 17:00 Uhr in der Konzertkirche. Nach unbestätigten Informationen sind noch Karten zum Preis von 6 Euro im Ticketservice in der Stargarder Straße erhältlich.
3_Oktober

Sep 20

Foto Nordkurier 16.10.2009

Foto Nordkurier 16.10.2009

Um 19.00 Uhr erwarteten Gerhard Stoll und weiter Vertreter der Initiativgruppe “Augenzeuge 89″ Aktivisten der ersten Stunden des Herbstes 1989. Insgesamt erschienen noch 13 weitere Aktivisten in der Winterkirche, um ihre Gedanken an den Beginn der friedlichen Revolution vor 20 Jahren auszutauschen und Ideen für eine Gedenkveranstaltung am 18.10.2009 zu sammeln. Besonders erfreut waren die Zeitzeugen darüber, dass, anders als vor zwanzig Jahren, auch Journalisten zu dem Treffen erschienen waren (der Norkurier berichtet in seiner Ausgabe am 18.9. über das Ereignis).
Bilder von den Demonstrationen des Herbstes`89 und im Hintergrund das Erkennungslied der Friedensgebete „Ich wünsch mir ein Haus“ brachten einen Hauch der damaligen Atmosphäre in die Runde.
Den Teilnehmern wurde das Hauptanliegen der Initiativgruppe „Augenzeuge89“ und die geplanten Aktivitäten vorgestellt. Es wurde um Mithilfe beim Zeitzeugenprojekt an den Neubrandenburger Schulen und bei der Erstellung einer Denkschrift geworben.
Besonders bewegend waren die Ausführungen von Bettina Kalisch, die das Geschehen vor 20 Jahren wieder spürbar werden ließen. Vielen Dank an Manfred Zühlke, der seine 400 Seiten umfassende Niederschrift von den damaligen Ereignissen für das Projekt zur Verfügung stellen will.
In der anschließenden, lebhaft geführten, Diskussion wurden die Aktivitäten der Augenzeugen89 ausdrücklich begrüßt. Mit Einzelgesprächen und viel Freude über das Wiedersehen klang der Abend aus.

Sep 19
Artikel im Nordkurier vom 18.9.2009

Artikel im Nordkurier vom 18.9.2009

Hier geht es zum BLOG-Eintrag des Nordkurier zu diesem Thema:

Sep 08

Die Konrad-Adenauer-Stiftung lädt zu einem  Essay zum Thema 20 Jahre Mauerfall mit Freya Klier ein.

Die Veranstaltung findet am  5.10.2009 um 19:00 Uhr im Radisson SAS Hotel in Neubrandenburg statt.
Anmeldungen zu dieser Veranstaltung (per Post, Fax, E-Mail) unter Angabe der Anschrift, Telefonnummer und ggf. E-Mail über die:

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
Bildungswerk Schwerin
Arsenalstraße 10
19053 Schwerin
Tel. 0385 5557050
Fax 0385 5557059
E-Mail: eckhard.lemm@kas.de

Freya Klier, 1950 in Dresden geboren, bekam die DDR-Diktatur bereits als Kind aus nächster Nähe am eigenen Leib zu spüren, als sie 1953 nach der Verhaftung  des Vaters in ein Kinderheim gesteckt wurde. Als achtzehnjährige Abiturientin wurde sie nach einem missglückten Republikfluchtversuch zu 16 Monaten Haft verurteilt, arbeitete nach vorzeitiger Entlassung in mehreren Jobs, bevor sie Schauspielerin und schließlich Theaterregisseurin wurde.

1980 gehörte sie zu den Mitgründern der ostdeutschen christlichen Friedensbewegung. 1984 erhielt sie den DDR Regiepreis für die Uraufführung von Ulrich Plenzdorfs “Legende vom Glück ohne Ende” – und ein Jahr später Berufsverbot. Nach Drangsalierungen durch die Stasi wurde sie 1988 verhaftet und zwangsweise ausgebürgert. Seither lebt sie als Filmemacherin und Autorin in Berlin. Ihre zahlreichen Bücher und Filme behandeln vorrangig Themen des Nationalsozialismus, der DDR-Diktatur sowie deren Nachwirkungen. Freya Klier wurde vor wenigen Wochen im Rahmen eines Festaktes zur Feier des Tages des Grundgesetzes ausgezeichnet und zum “Botschafter für Demokratie und Toleranz” ernannt.
Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung

Sep 07

Vielen Dank an die Redakteure des Nordkuriers, die uns mit diesem Aufruf unterstützen bei der Suche nach weiteren Zeitzeugen.

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