Okt 26
Demonstration 25.10.1989 Karl-Marx-Platz

Demonstration 25.10.1989 Karl-Marx-Platz

Am 25.Oktober 1989 fand wiederum an ein Friedensgebet in der Johanniskirche ein “Marsch der Hoffnung” statt. Was genau an diesem Tag geschah, geht detailreich aus einem Bericht der Kreisdienststelle der Stasi hervor. In diesem Bericht heißt es: “… Um 17.00 Uhr begann pünktlich das “Friedensgebet” in der Johnniskirche Neubrandenburg. Teilnehmer: – in der Kirche ca. 1000 vor dem Kirchplatz zu dieser Zeit ca. 5000 bis 6000 Personen. … Um 17.32 wurde das “Friedensgebet” beendet mit anschließender Formierung der Personen zum Marsch der Hoffnung. Dieser Marsch führte von der Johanniskirche über die Thälmannstraße, Friedrich-Engels-Ring, Gr. Wollweberstraße, Dr.-Otto-Nuschke-Str., Treptower Str. auf den Karl-Marx-Platz. … Am “Marsch der Hoffnung” nahmen insgesamt 15.000 bis 20.000 Personen teil, die sich während des “Friedensgebetes” von 17.00 -17.32 Uhr auf dem Kirchenvorplatz bzw. im Bereich der E.-Thälmann-Str. angesammelt hatten. Durch 30 % der Personen wurden brennende Kerzen mitgeführt. Das Durchschnittsalter betrug ca. 25 bis 40 Jahre. … Um 18.17 Uhr erreichte das Ende des Marsches den Karl-Marx-Platz. Zu dieser Zeit waren dort bereits ca. 5000 Personen versammelt (überwiegend positive Bürger).”
Der Chronist versäumt es nicht, genau zu vermerken, welches die Aufschriften auf den mitgeführten Plakaten waren und das Sprechchöre “Deutschland, Deutschland”, “Schließt Euch an” und “Stasi in die Volkswirtschaft” gerufen wurden, ohne eine breite Massenbasis zu finden.
Zu dem was auf dem Karl-Marx-Platz geschah erfahren wir aus dem Stasibericht dann Folgendes: “Der Dialog begann mit kurzen Ausführungen des Oberbürgermeisters von Neubrandenburg. Seine Ausführungen waren teilweise begleitet durch Pfiffe und Zwischenrufe, die sich deutlich erkennbar auf konkrete Passagen bezogen. Z.B. Zwischenrufe: “Wahlbetrug” bei Ausführungen zur Wahl der Volksvertreter. Bei den anschließenden Ausführungen des Gen. Chemnitzer waren analoge Aktivitäten erkennbar. Z.B. Zwischenrufe “Wir sind das Volk” bzw. Ausrollen eines 25- m -Transparentes mit der Aufschrift: “Neues Forum”.
Dann folgt eine Aufzählung der anderen Sprecher an diesem Abend: Frau Heidemarie Boeck für die evangelische Kirche, Herr Martin Kruse als Vertreter einer Gruppe, Herr Vonhold als amt. Vorsitzender des Bezirksvorstandes der CDU und Herr Wolter für die katholische Kirche. Hierzu merkt der Stasi-Chronist an: “Diesen Teil der Veranstaltung verfolgten die anwesenden Personen aufmerksam bei mehrmaligen Zwischenrufen: “Neues Forum”.
Offensichtlich hatten die verantwortlichen Genossen geplant, die Demonstranten durch ihre massive Präsenz auf dem Karl-Marx-Platz einzuschüchtern. Aber die Zahl der versammelten “positiven Bürger” nahm sich gegen den gewaltigen Zug der Demonstranten eher kläglich aus.
Auszug aus dem Bericht der Stasi vom 25.10.1989

Auszug aus dem Bericht der Stasi vom 25.10.1989

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