Nov 23
Freigangtorte Stasiknast-NB

Freigangtorte Stasiknast-NB

So sah er aus der Freigangsbereich im Stasiknast in Neubrandenburg. Im Dezember 1989 sahen erstmals Vertreter der Bürgerbewegung in Neubrandenburg diesen Teil des Stasigefängnisses auf dem Neubrandenburger Lindenberg. Bei vielen ist die so genannte “Stasitorte” in nachhaltiger Erinnerung geblieben. Es bedarf keiner besonders großen Fantasie, um sich sich vorzustellen, wie unmenschlich die Bedingungen in den Gefängnissen der Staatsicherheit der DDR waren. In den 20 Jahren seit damals wurde der Knast in eine JVA umgebaut. Kaum noch etwas erinnert an das Haftregime der Staatssicherheit.

 

Okt 26
Demonstration 25.10.1989 Karl-Marx-Platz

Demonstration 25.10.1989 Karl-Marx-Platz

Am 25.Oktober 1989 fand wiederum an ein Friedensgebet in der Johanniskirche ein “Marsch der Hoffnung” statt. Was genau an diesem Tag geschah, geht detailreich aus einem Bericht der Kreisdienststelle der Stasi hervor. In diesem Bericht heißt es: “… Um 17.00 Uhr begann pünktlich das “Friedensgebet” in der Johnniskirche Neubrandenburg. Teilnehmer: – in der Kirche ca. 1000 vor dem Kirchplatz zu dieser Zeit ca. 5000 bis 6000 Personen. … Um 17.32 wurde das “Friedensgebet” beendet mit anschließender Formierung der Personen zum Marsch der Hoffnung. Dieser Marsch führte von der Johanniskirche über die Thälmannstraße, Friedrich-Engels-Ring, Gr. Wollweberstraße, Dr.-Otto-Nuschke-Str., Treptower Str. auf den Karl-Marx-Platz. … Am “Marsch der Hoffnung” nahmen insgesamt 15.000 bis 20.000 Personen teil, die sich während des “Friedensgebetes” von 17.00 -17.32 Uhr auf dem Kirchenvorplatz bzw. im Bereich der E.-Thälmann-Str. angesammelt hatten. Durch 30 % der Personen wurden brennende Kerzen mitgeführt. Das Durchschnittsalter betrug ca. 25 bis 40 Jahre. … Um 18.17 Uhr erreichte das Ende des Marsches den Karl-Marx-Platz. Zu dieser Zeit waren dort bereits ca. 5000 Personen versammelt (überwiegend positive Bürger).”
Der Chronist versäumt es nicht, genau zu vermerken, welches die Aufschriften auf den mitgeführten Plakaten waren und das Sprechchöre “Deutschland, Deutschland”, “Schließt Euch an” und “Stasi in die Volkswirtschaft” gerufen wurden, ohne eine breite Massenbasis zu finden.
Zu dem was auf dem Karl-Marx-Platz geschah erfahren wir aus dem Stasibericht dann Folgendes: “Der Dialog begann mit kurzen Ausführungen des Oberbürgermeisters von Neubrandenburg. Seine Ausführungen waren teilweise begleitet durch Pfiffe und Zwischenrufe, die sich deutlich erkennbar auf konkrete Passagen bezogen. Z.B. Zwischenrufe: “Wahlbetrug” bei Ausführungen zur Wahl der Volksvertreter. Bei den anschließenden Ausführungen des Gen. Chemnitzer waren analoge Aktivitäten erkennbar. Z.B. Zwischenrufe “Wir sind das Volk” bzw. Ausrollen eines 25- m -Transparentes mit der Aufschrift: “Neues Forum”.
Dann folgt eine Aufzählung der anderen Sprecher an diesem Abend: Frau Heidemarie Boeck für die evangelische Kirche, Herr Martin Kruse als Vertreter einer Gruppe, Herr Vonhold als amt. Vorsitzender des Bezirksvorstandes der CDU und Herr Wolter für die katholische Kirche. Hierzu merkt der Stasi-Chronist an: “Diesen Teil der Veranstaltung verfolgten die anwesenden Personen aufmerksam bei mehrmaligen Zwischenrufen: “Neues Forum”.
Offensichtlich hatten die verantwortlichen Genossen geplant, die Demonstranten durch ihre massive Präsenz auf dem Karl-Marx-Platz einzuschüchtern. Aber die Zahl der versammelten “positiven Bürger” nahm sich gegen den gewaltigen Zug der Demonstranten eher kläglich aus.
Auszug aus dem Bericht der Stasi vom 25.10.1989

Auszug aus dem Bericht der Stasi vom 25.10.1989

Okt 19

FE201089
2009NK

Sep 26

Unser Augenzeuge Hans-Jürgen Schulz, dem wir viele schöne Fotos zu verdanken haben, fand kürzlich dieses Relikt aus der damaligen Zeit. Welche Geschichte sich damit für ihn verbindet hat er uns nicht erzählt. Aber wir können ihn ja fragen, auf einer der vielen Veranstaltungen in den nächsten Wochen ;-)

Parteiauftrag

Sep 25

Soeben fand ich folgendes Gedicht von Kurt Tucholsky, welches er 1931 in der Zeitschrift ” Die Weltbühne” unter dem Pseudonym “Theobald Tiger” veröffentlichte.

An das Publikum

Oh hochverehrtes Publikum,
sag mal:
bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: »Das Publikum will es so!«
Jeder Filmfritze sagt: »Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!«
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
»Gute Bücher geh’n eben nicht!«

Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?

So dumm, dass in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung droh’n?

Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte …

Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?
Ja, dann …

Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmäßigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Grießbrei-Fresser –?

Ja, dann …
Ja, dann verdienst du’s nicht besser.


Sep 19
Artikel im Nordkurier vom 18.9.2009

Artikel im Nordkurier vom 18.9.2009

Hier geht es zum BLOG-Eintrag des Nordkurier zu diesem Thema:

Sep 07

Vielen Dank an die Redakteure des Nordkuriers, die uns mit diesem Aufruf unterstützen bei der Suche nach weiteren Zeitzeugen.

Bildschirmfoto 2009-09-07 um 09.51.21

Aug 17

OB_Gespr_11_89

In den unendlichen Schatzkammern der Augenzeugen89 wurde wieder ein Zeitdokument gefunden. Am 19.11.1989, also bereits 10 Tage nach der Öffnung der Mauer, versuchen die Verantwortlichen in Neubrandenburg zu retten, was noch zu retten ist.

Hans-Jürgen Schulz schoss damals sogar ein Foto von dieser Veranstaltung, welches wir heute in seinem Buch: “In Mecklenburg ist auch schon heut” bewundern können. Hier eine Kopie aus dem Büchlein.
OB_Gespr_11_89Schulz

Aug 10

Die Gedanken sind frei
Bei der Durchsicht der Dokumente fiel ein kleiner Handzettel auf mit der Überschrift “Lied der Friedensgebete in Neubrandenburg”. Der Liedermacher, Ingo Barz, hatte für das alte Studentenlied: “Die Gedanken sind frei” einen neuen Text geschrieben, der die Lebensgefühle der Menschen in der DDR in der damaligen Zeit ausdrückte.
Es ist bemerkenswert, dass die Themen Umwelt, Globalisierung und persönlicher Egoismus schon damals als so wichtig angesehen wurden, um Eingang in diese Strophen zu finden und emphatisch mitgesungen wurden:

Ich denk´mir ein Haus aus Reimen und Noten,
wo keinem der Aus- und Eintritt verboten.
Die Türen steh´n offen für alle, die hoffen.
Wer will komm´herbei, die Gedanken sind frei.

Ich denk´mir ein Land mit tiefgrünen Wäldern,
mit sauberem Strand und kornschweren Feldern,
wo See, Fluss und Tümpel frei sind von Gerümpel,
von Stickstoff und Blei, wo Gedanken sind frei.

Ein Volk denk´ich mir, das nicht schon erblindet,
beim Geldzählen hier nur Seligkeit findet,
das Mut hat zum streiten, wo auch Minderheiten
sich finden dabei und Gedanken sind frei.

Ich denk´mir die Welt mit Tischen für jeden,
ein freundliches Zelt zum Essen und Reden,
kein Hunger, kein Schweigen, ein fröhlicher Reigen
und Menschlichkeit sei, und Gedanken sind frei.

Ich denk´mir ein Lied aus Güte und Klarheit,
das, wo es geschieht, im Anspruch auf Wahrheit
nicht hart und verbittert die Hirne vergittert,
das ohne Geschrei die Gedanken lässt frei.

Jul 22

NK20090721In der heutigen Ausgabe des Neubrandenburger Zeitung ist über unsere Arbeit ein Artikel erschien. Vielen Dank, liebe Freunde vom Nordkurier für diesen wunderbaren Service. Auf eine gute weitere Zusammenarbeit.