Jul 22

Legende zum Flugblatt DEMONSTRATION am 04.12.1989:Plakat zur Demo

Eigenhändig geschrieben mit der “Ato – Feder” nach Feierabend im Wohnungsbaukombinat Neubrandenburg.
Vervielfältigt am volkseigenen Kopierer im WBK, irgendwann hatte Irgendwer das Netzkabel (im Auftrag?) weggeschlossen.
Angezweckt mit Reißzwecken an Bäumen und Masten vorwiegend in der Innenstadt, meist am späten Abend.
Durch irgend welche unbekannte Personen teilweise wieder abgerissen
Bei erneuter Fahrradrunde Flugblätter wieder angebracht.
Nächsten Morgen wie immer von 6.45 – 16.15 Uhr im VEB für den Sozialismus gearbeitet und rechtzeitig um 17.00 Uhr (immer schön nach Feierabend) zur Demo => es war auch eine Revolution nach Feierabend!
Dank an alle Kollegen (Herrmann, Ralf, Peter, Detlef und wie ihr alle heißt), die in jener Zeit wussten, was ich tat und in meiner Abwesenheit für mich mit arbeiteten.

Jul 16

Die erste öffentliche Aktion des Herbstes `89 in Neubrandenburgkerze

Die erste öffentlichkeitswirksame Initiative des Friedenskreises der evangelischen Kirche im Herbst `89 war die „Kerze der Hoffnung“.
Am Abend vom 6. zum 7. Oktober sollte als Zeichen der Hoffnung auf eine
für das Volk positive Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR eine Kerze ins Fenster gestellt werden.

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda war ausgehend von der Kirche die Information unter die Leute gebracht worden.
Einen Teil meiner Arbeitskollegen hatte ich aufgefordert, bei dieser harmlosen Aktion mitzumachen.

Für mich war dieses Datum in mehrfacher Hinsicht bedeutend.
An diesem Wochenende wurde für meinen Sohn Torsten in den Kirchen Neubrandenburgs gebetet.
Er saß in der Strafvollzugsanstalt Leipzig – Rackwitz seit 10 Monaten wegen versuchter Republikflucht.
Gleichzeitig hatte ich über Kirche, Freunde und Verwandte eine Postkartenaktion an seine Adresse im Knast organisiert.

Am Abend des 6. Oktobers ging ich dann mit Frau und Sohn Wolfgang durch das Vogelviertel, um zu sehen, wie viele denn den Mut zu diesem kleinen Zeichen der Hoffnung der Kerze im Fenster hatten.
Es waren nicht viele, aber unser Fenster war wenigstens nicht das einzige mit Kerze.

Lange nach der Wende erzählten mir zwei der ehemaligen Arbeitskollegen,
dass sie in dieser Zeit nicht den Mut hatten, wenigstens dieses kleine Zeichen zu setzen.
Andere Stammtischrevolutionäre aus DDR-Zeit und Dauergegner des Systems hatten ganz vergessen, an der friedlichen Revolution teilzunehmen.

Und mit der Öffnung der Mauer am 9. November `89 war ja dann plötzlich alles anders, von diesem Datum an war der Zusammenbruch der sozialistischen Gesellschaft in der DDR nicht mehr aufzuhalten.

Die Fluchtmöglichkeit in den Westen bestand ja jetzt für jeden, der sich gegen Partei und Regierung engagierte und das Risiko um die eigene Freiheit, die Gesundheit oder gar das Leben bestand nicht mehr.
Deshalb ist dieses Datum für mich ein wichtiger Prüfstein bei der Bewertung des politischen Engagementes einzelner Nachwendepolitiker.

Jul 14

Vortag Himmelfahrt 1964
Mein Freund Rudi und ich fahren nach Tessin – wir wollen mit unserem ehemaligen Kaplan Skat spielen – wie jedes Jahr zum „Herrentag“. Also mit dem Zug nach Rostock – in die Bahnhofsgaststätte und von dort sollen wir abgeholt werden, so ist es geplant.
Wir sitzen am Tisch, essen und trinken (wohl eher keine rote Brause) als sich ein älterer, offenbar verunfallter Mann (stark bandagiert) zu uns setzt – höflich, nett.
Er weiß von unseren Kolping-Abzeichen, dass wir katholisch sind, gibt sich auch als katholischer Christ zu erkennen, zeigt uns als Beweis seiner Treue zur Kirche einen Brief des Prälaten aus Güstrow, der ihm geschrieben habe … und schon sind wir in ein Gespräch verwickelt. Später wird uns bewusst: Ein politisch sehr brisantes Gespräch, sicherlich mit Verleumdungen und so genannter Staatshetze angereichert.
Plötzlich: Zwei junge Männer kommen an unseren Tisch, fragen nicht sondern setzen sich, pöbeln uns an und einer der Beiden legt frech seinen Arm um die Schulter unseres „Tischgenossen“. Mein Freund Rudi und ich werden ungehalten, drohen mit dem Kellner und prompt verschwindet einer der Beiden, der andere gibt seine „Umarmung“ nicht auf.
Aus sicherer Entfernung macht der andere Mann Zeichen, jemand möge zu ihm kommen. Ich gehe skeptisch hin und dann nur ein Satz: Ihr sitzt mit einem stadtbekannten Greifer der Stasi am Tisch, der euch sicherlich an den Abzeichen erkannt hat – verschwindet und lasst euch in den nächsten Stunden in Bahnhofsnähe nicht mehr sehen. Mein Freund hält den Greifer noch fest – haut ab. (So sinngemäß). Wir hauten nicht ab – wir flüchteten.
Leider wissen wir bis heute nicht die Namen unserer „Schutzengel“ – sehr schade!

So erlebte ich das MfS als ganz junger Mann. Ich bin mit Sicherheit kein Held – habe keine Ahnung, was passiert wäre, wenn die Stasi mich (und meinen Freund) gegriffen und uns einige Zeit „Gastfreundschaft“ gewährt hätte.

Jul 14

September 1959 – Adolf-Hennecke-Berufsschule
Klassenlehrer Bruno R. wirbt pflichtgemäß für die „Junge Welt“ – normal, denn fast alle Lehranfänger sind Mitglied der FDJ und logisch: Die FDJ-Zeitung wird bestellt.
„Dieses Lügenblatt bestelle ich nicht“ – so meine unbedachte, sehr ehrlich Reaktion vor der Klasse. Einem 16 – jährigen normalerweise verzeihbar.
(Hintergrund: meine Schwester hatte die „JW“ vor einiger Zeit abbestellt, weil in ihr die Rede des Papstes zum Katholikentag 1958 in Berlin als „Kriegshetzerrede“ verunglimpft wurde).
Bruno R. verhielt sich nicht pflichtgemäß, denn pflichtgemäß hätte bedeutet: Anzeige dieser „ungeheuren Verleumdung“. Er beschwor mich zu sagen, ich habe mit dieser Feststellung nur das eine Vorkommnis auf dem Katholikentag gemeint. Das tat ich.Dieses Zurückrudern hätte aber beim “Auffliegen“ des Zitates keine „mildernden Umstände“ bedeutet, weder für Bruno R. noch für mich.
Der Klassenlehrer hat mich wohl vor erheblichen Konsequenzen bewahrt und sich – das war ihm wohl auch bewusst – in ziemlich große Gefahr begeben. Es hätte nur ein Schüler meine Äußerung ganz ahnungslos weitererzählen brauchen und schon wäre die Stasimaschinerie in Gang gesetzt worden. Bruno R. wäre wohl mit Berufsverbot belegt worden und ich in der „Sozialistischen Umerziehung“ gelandet! Schlimme Aussichten!

Jul 14

Ich habe wie 17 Millionen in der DDR gelebt. Als praktizierender Christ (katholisch) war manches sogar einfacher: Man wusste beidseitig, woran man ist – so kann ich mich an keine Schikanen erinnern, weil ich und meine Geschwister nicht bei den Pionieren waren.
Jugendweihe war kein Thema, auch als meine Tochter 1988 diese verweigerte gab es kaum Diskussionen. (Aber den Vorwurf: Wir als Eltern verbauten ihr die Zukunft. Sie machte 1992 ihr Abi – die Wende war für sie somit ein sehr persönliches Geschenk).

Manchmal gibt es im Leben „Schutzengel“ – sie sind da, man hat sie nicht gerufen oder bestellt – manch einer sagt: Reiner Zufall! Dann aber ein sehr glücklicher Zufall!
Ich hatte sicherlich ab und an einen solchen Schutzengel – aber zwei Begebenheiten sind mir sehr präsent, in denen mich Schutzengel – ich nenne sie so – mich vor den Klauen der Stasi bewahrt haben.

Jul 11

Demonstrationszug vom 25.10.1989 auf Höhe der Treptower Straße. Es wäre schön, wenn sich Menschen bei uns melden würden, die sich auf dem Foto erkenne. Uns interessiert ihre Geschichte. Was haben sie damals für Hoffnungen, Wünschen und Begehrlichkeiten gehabt? Wohin hat sie das Schicksal verschlagen? Wie sehen sie sich heute, fast 20 Jahre nach diesem Datum?
demo-25.10.89-nbdbg0001

Jul 08
Foto: Hans-Jürgen Schulz

Foto: Hans-Jürgen Schulz

Wer kennt noch die Geschichte, die zu diesem Plakat führte?

Jul 07
demo-25.10.89-nbdbg0001

Foto: Hans-Jürgen Schulz

Demonstrationszug vom 25.10.1989 auf Höhe der Treptower Straße. Es wäre schön, wenn sich Menschen bei uns melden würden, die sich auf dem Foto erkenne. Uns interessiert ihre Geschichte. Was haben sie damals für Hoffnungen, Wünschen und Begehrlichkeiten gehabt? Wohin hat sie das Schicksal verschlagen? Wie sehen sie sich heute, fast 20 Jahre nach diesem Datum?